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Schülerpraktikum im Handwerk: So wird daraus ein Azubi

Schülerpraktikum im Handwerk: Was Praktikanten dürfen, Arbeitszeiten nach Alter, Mindestlohn, ein Wochenplan und wie aus dem Praktikum ein Azubi wird.

Armin FranzAktualisiert am 7 Min. Lesezeit
Armin Franz im Anzug erklärt etwas mit offenen Händen vor einer Glasfassade
Kurz gesagt

Ein Praktikum im Handwerk wird zum Azubi, wenn der Schüler echte Aufgaben bekommt, einen festen Ansprechpartner hat und am Ende ein ehrliches Gespräch mit Angebot folgt. Erlaubt sind leichte Tätigkeiten, unter 15 Jahren höchstens 7 Stunden am Tag. Für Pflichtpraktika der Schule gilt kein Mindestlohn.

In diesem Artikel
  1. Wie wird aus einem Schülerpraktikum ein Azubi?
  2. Was darf ein Schülerpraktikant im Handwerk machen?
  3. Wie lange darf ein Schülerpraktikant am Tag arbeiten?
  4. Musst du Schülerpraktikanten bezahlen?
  5. Wie kommst du an gute Praktikanten?
  6. Wie sieht ein guter Praktikumsplan für eine Woche aus?
  7. Was gehört auf die Praktikumsseite deiner Website?
  8. Wie bleibst du nach dem Praktikum mit dem Schüler in Kontakt?
  9. Häufige Fragen

Wie wird aus einem Schülerpraktikum ein Azubi?

Mit echten Aufgaben statt Fegen, einem festen Ansprechpartner, einem Abschlussgespräch mit Angebot und Kontakt bis zur Bewerbungsphase. Das Praktikum ist dein bestes Vorstellungsgespräch.

Viele Betriebe nehmen Praktikanten, weil die Schule fragt, und lassen sie dann eine Woche lang zuschauen. Der Schüler geht nach Hause und erzählt: langweilig. Damit hast du deinen möglichen Azubi verloren, bevor er sich überhaupt beworben hat.

Die Lage ist ernst: Laut KOFA blieben 2025 im Handwerk 21.571 Ausbildungsplätze zum 30. September unbesetzt, 2011 waren es noch gut 5.000 (KOFA 7/2026). Wer Schüler im Praktikum begeistert, muss später weniger suchen.

Was darf ein Schülerpraktikant im Handwerk machen?

Leichte, geeignete Tätigkeiten unter Aufsicht. Gefährliche Arbeiten sind tabu, auch wenn der Schüler fit wirkt. Vor Beginn machst du eine Gefährdungsbeurteilung für den Praktikumsplatz.

Ein Betriebspraktikum, das die Schule während der Vollzeitschulpflicht veranstaltet, ist vom Beschäftigungsverbot für Kinder ausgenommen. Erlaubt sind aber nur leichte und geeignete Tätigkeiten. Gefährliche Arbeiten nach § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz bleiben verboten, die Ausnahme für Azubis gilt für Praktikanten nicht (Gewerbeaufsicht Bayern).

In der Praxis heißt das: Der Schüler darf messen, anreichen, unter Aufsicht schrauben, kleine Werkstücke bauen, mit auf die Baustelle. Er darf nicht allein auf das Dach, nicht an gefährliche Maschinen und nicht an spannungsführende Teile. Plan die Aufgaben vorher, dann muss niemand improvisieren.

Wie lange darf ein Schülerpraktikant am Tag arbeiten?

Unter 15 Jahren höchstens 7 Stunden täglich und 35 pro Woche. Ab 15 höchstens 8 und 40, nur zwischen 6 und 20 Uhr.

Arbeitszeit im Schülerpraktikum nach Alter

Arbeitszeit im Schülerpraktikum nach Alter
RegelUnter 15 Jahre15 bis 17 Jahre
Pro Taghöchstens 7 Stundenhöchstens 8 Stunden
Pro Wochehöchstens 35 Stundenhöchstens 40 Stunden
Uhrzeittagsüber, Details mit der Schule klärennur zwischen 6 und 20 Uhr
Wochenende und Feiertagenicht erlaubtgrundsätzlich nicht, wenige Ausnahmen
Pausennach Jugendarbeitsschutzgesetzspätestens nach 4,5 Stunden
Gefährliche Arbeitenverbotenverboten
Laut Gewerbeaufsicht Bayern und Jugendarbeitsschutzgesetz, §§ 5, 7, 8, 11, 14, 22 JArbSchG, abgerufen am 04.11.2026. Für Schüler, die noch vollzeitschulpflichtig sind, können strengere Regeln gelten. Frag im Zweifel die Schule oder die Gewerbeaufsicht.
Schnupperpraktikum unter 15 nur über die Schule

Laut Gewerbeaufsicht Bayern ist ein selbst organisiertes Schnupperpraktikum für vollzeitschulpflichtige Schüler unter 15 Jahren nicht erlaubt, auch nicht in den Ferien. Für diese Altersgruppe geht nur das Praktikum, das die Schule veranstaltet.

Keine Rechtsberatung

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick, Stand 04.11.2026. Er ersetzt keine Beratung durch eine Anwältin oder einen Anwalt. Im Zweifel frag deine Handwerkskammer oder einen Fachanwalt.

Musst du Schülerpraktikanten bezahlen?

Nein, für ein von der Schule vorgeschriebenes Praktikum gilt der Mindestlohn nicht. Auch Jugendliche unter 18 ohne Berufsabschluss sind vom Mindestlohngesetz ausgenommen.

§ 22 Mindestlohngesetz nimmt Pflichtpraktika auf Grund schulrechtlicher Bestimmungen aus. Ebenso gelten Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Gesetzes (§ 22 MiLoG).

Trotzdem lohnt sich eine kleine Anerkennung: ein Mittagessen, ein T-Shirt mit Firmenlogo, ein kleines Taschengeld. Das kostet wenig und bleibt im Gedächtnis, auch bei den Eltern. Beim Pflichtpraktikum sind Schüler in der Regel über die Schule unfallversichert. Klär das vorher mit der Schule.

Wie kommst du an gute Praktikanten?

Über Schulen in deiner Nähe, eine Praktikumsseite auf deiner Website, Kinder von Kunden und Mitarbeitern und Ausbildungsmessen. Am wichtigsten ist der Draht zur Schule.

  • Schulen direkt ansprechen: Ruf bei der Berufsorientierung der Mittel-, Real- und Gesamtschulen an und frag nach den Praktikumszeiträumen.
  • Eigene Praktikumsseite: Damit Schüler und Lehrer sehen, was bei dir passiert, und sich mit zwei Klicks melden.
  • Eltern und Kunden: Ein Aushang im Büro oder ein Satz auf der Rechnung erreicht Familien mit Kindern im richtigen Alter.
  • Azubis als Botschafter: Wer selbst vor zwei Jahren Praktikant war, überzeugt Schüler am besten.
  • Jobbörse der Arbeitsagentur: Praktikums- und Ausbildungsplätze kostenfrei eintragen.

Wie sieht ein guter Praktikumsplan für eine Woche aus?

Jeder Tag hat ein Ziel und ein Ergebnis zum Mitnehmen. Am Ende sagst du im Abschlussgespräch ehrlich, ob du ihn als Azubi willst.

Fünf Tage, die im Gedächtnis bleiben

  1. Montag: Ankommen

    Begrüßung durch den Chef, Rundgang, Sicherheitsunterweisung, fester Pate. Ein Foto vom ersten Tag, mit Einwilligung.

  2. Dienstag: Mitfahren

    Mit auf die Baustelle oder zum Kunden. Kleine Aufgaben mit Ergebnis.

  3. Mittwoch: Eigenes Werkstück

    Etwas bauen, das der Schüler mitnehmen darf: ein Vogelhaus, eine Steckdosenleiste, ein Werkzeughalter.

  4. Donnerstag: Azubi-Tag

    Einen Tag mit deinem Azubi verbringen. Fragen ohne Chef im Raum.

  5. Freitag: Abschluss

    Gespräch mit dir: Wie war es? Willst du hier eine Ausbildung machen? Praktikumsbescheinigung und, wenn es passt, ein konkretes Angebot.

Was gehört auf die Praktikumsseite deiner Website?

Was der Praktikant bei dir erlebt, mögliche Zeiträume, wer betreut, ein paar Fotos und ein kurzes Anfrageformular. Mehr braucht es nicht.

Am besten funktioniert eine Anfrage, die Schüler oder Eltern selbst erledigen können, ohne anzurufen: Wunschzeitraum wählen, Name und Schule eintragen, fertig. Bei einem Kunden habe ich das für Termine umgesetzt, und es hat dort den Telefonaufwand deutlich gesenkt:

Für Praktika heißt das: Ein Formular mit den Zeiträumen, die bei dir möglich sind, und eine Nachricht aufs Handy bei jeder Anfrage. Wie du die ganze Ausbildungsseite aufbaust, steht in Azubis finden: Was deine Website tun kann. Wie du Anfragen schnell beantwortest, in Bewerbungen schnell beantworten.

Wie bleibst du nach dem Praktikum mit dem Schüler in Kontakt?

Mit einer kurzen Nachricht nach ein paar Wochen, einer Einladung zum Tag der offenen Tür und einem Anruf, wenn die Bewerbungsphase beginnt.

Frag am Ende des Praktikums, ob du dich melden darfst, und notier, wann der Schüler seinen Abschluss macht. Schick ihm vor der Bewerbungsphase eine persönliche Nachricht mit dem Link zur Ausbildungsstelle. Viele Betriebe vergessen genau diesen Schritt.

Wenn du eine Praktikums- und Ausbildungsseite willst, über die Anfragen direkt auf dein Handy kommen: Im Erstgespräch klären wir in rund 15 Minuten, welche Azubis du suchst, was deine Website heute dafür tut und welche Schritte sich lohnen.

Häufige Fragen

Armin Franz sitzt lächelnd an einem Holztisch vor einem hellen Sprossenfenster

Armin Franz

Webdesigner für Handwerksbetriebe in Bayern

Ich baue Websites für Handwerksbetriebe und sorge dafür, dass sie bei Google und in KI-Suchen gefunden werden. In diesem Ratgeber schreibe ich auf, was ich aus Kundengesprächen und eigenen Projekten weiß.

Mehr über mich

Quellen

  1. Gewerbeaufsicht Bayern: Kinder- und Jugendarbeitsschutz, abgerufen am 04.11.2026
  2. § 22 Mindestlohngesetz: Persönlicher Anwendungsbereich, abgerufen am 04.11.2026
  3. CMS: Schülerpraktikum im Betrieb, ein Leitfaden (29.3.2018), abgerufen am 04.11.2026
  4. KOFA-Studie 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk, abgerufen am 04.11.2026
  5. Bundesagentur für Arbeit: Jobbörse, Hilfe für Arbeitgeber, abgerufen am 04.11.2026