Website für Kanzleien: Schwerpunkt zeigen statt Telefonbucheintrag
Wie eine Kanzlei-Website den Schwerpunkt zeigt, was das Berufsrecht bei Werbung und Spezialist erlaubt und welche Pflichtangaben ins Impressum gehören.
Eine Kanzlei-Website gewinnt Mandanten, wenn der Schwerpunkt vorn steht und in verständlicher Sprache erklärt wird, statt in Kanzleisprache. Werbung muss nach § 43b BRAO sachlich bleiben, Bezeichnungen wie Spezialist sind nach § 7 BORA an Voraussetzungen geknüpft. Dazu kommen berufsrechtliche Pflichtangaben im Impressum und sichere Kontaktwege.
In diesem Artikel
- Was braucht die Website einer Kanzlei, um Mandanten zu gewinnen?
- Welche Seiten braucht eine Kanzlei-Website?
- Was darf eine Anwaltskanzlei auf ihrer Website werben?
- Darf sich ein Anwalt auf der Website Spezialist nennen?
- Welche Pflichtangaben gehören ins Impressum einer Kanzlei?
- Wie schreibt eine Kanzlei Texte, die Mandanten verstehen?
- Wie bietet eine Kanzlei sichere Kontaktwege an?
- Wie wird eine Kanzlei bei ChatGPT und Google für ihren Schwerpunkt genannt?
- Häufige Fragen
Was braucht die Website einer Kanzlei, um Mandanten zu gewinnen?
Einen klar sichtbaren Schwerpunkt, verständliche Texte zu den Fragen der Mandanten, sichere Kontaktwege und die berufsrechtlichen Pflichtangaben. Ein Telefonbucheintrag allein reicht heute nicht mehr.
Wer einen Anwalt sucht, steckt meist in einer belastenden Lage: Die Mutter wird dement, die Ehe geht auseinander, der Arbeitgeber kündigt. Diese Menschen googeln ihre Frage, nicht "Rechtsanwalt". Wenn deine Seite nur Rechtsgebiete auflistet, findet sie niemand, und wer sie findet, versteht sie nicht. Die Website muss also zwei Dinge leisten: die Sprache der Mandanten sprechen und die berufsrechtlichen Regeln einhalten.
Claudia Webersberger sagt im Interview: „Ich hab wenig Arbeit gehabt und das war für mich einfach auch ganz wichtig.“ Den Entwurf bekam sie vorgelegt und konnte ihre Wünsche anbringen. Die ganze Geschichte mit Video steht bei den Fallstudien.
Welche Seiten braucht eine Kanzlei-Website?
Eine Startseite mit klarem Schwerpunkt, je eine Seite für die häufigsten Mandantenfragen, eine Seite über dich, eine zum Erstgespräch und den Kontakt.
- Startseite: Schwerpunkt, Ort und Person in den ersten Zeilen, nicht das Kanzleilogo.
- Themenseiten: etwa Betreuung beantragen, Vorsorgevollmacht, Unterhalt. Jede beantwortet eine echte Frage.
- Über mich: Werdegang, Fachanwaltstitel, warum dieser Schwerpunkt. Mandanten wählen eine Person.
- Erstgespräch: Ablauf, Dauer, Kosten, was man mitbringen sollte.
- Kontakt: Telefon, Formular, Anfahrt, barrierefreier Zugang, wenn vorhanden.
Was darf eine Anwaltskanzlei auf ihrer Website werben?
Werbung ist erlaubt, wenn sie sachlich über die berufliche Tätigkeit informiert und nicht auf einen Auftrag im Einzelfall zielt. Das regelt § 43b BRAO.
Sachlich heißt nicht langweilig. Ein Text, der erklärt, wann eine Betreuung nötig ist, was eine Vorsorgevollmacht bringt und wie ein Erstgespräch abläuft, informiert sachlich und überzeugt trotzdem. Was nicht passt, sind reißerische Versprechen oder Aussagen, die sich gezielt an eine bestimmte Person in einem konkreten Fall richten.
Darf sich ein Anwalt auf der Website Spezialist nennen?
Nur unter Voraussetzungen. Teilbereiche darf man nach § 7 BORA mit nachweisbaren Kenntnissen nennen, qualifizierende Zusätze wie Spezialist verlangen zusätzlich theoretische Kenntnisse und erhebliche Tätigkeit.
Außerdem sind Bezeichnungen unzulässig, die mit einer Fachanwaltschaft verwechselt werden können. Für die Website heißt das: Den Schwerpunkt klar benennen, ja. Titel und Zusätze nur so, wie sie berufsrechtlich gedeckt sind. Eine Fachanwaltsbezeichnung, die du führen darfst, gehört sichtbar nach oben.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick, Stand 4. November 2026. Er ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Für berufsrechtliche Fragen ist deine Rechtsanwaltskammer die richtige Stelle.
Welche Pflichtangaben gehören ins Impressum einer Kanzlei?
Neben den üblichen Angaben die Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung mit dem Staat, der sie verliehen hat, die berufsrechtlichen Regelungen mit Fundstelle und Angaben zur Berufshaftpflichtversicherung.
Zusatzangaben für Kanzleien
- Zuständige Kammer: nach § 5 Abs. 1 Nr. 5 DDG.
- Berufsbezeichnung und Staat: etwa Rechtsanwältin, verliehen in der Bundesrepublik Deutschland.
- Berufsrechtliche Regelungen: Bezeichnung und wie man sie einsehen kann, etwa per Link.
- Berufshaftpflichtversicherung: nach § 2 Abs. 1 Nr. 11 DL-InfoV Name und Anschrift des Versicherers und räumlicher Geltungsbereich.
Die allgemeinen Impressumsangaben, die für jeden Betrieb gelten, stehen im Ratgeber Impressum für Handwerker. Für Kanzleien kommen die Punkte oben dazu.
Wie schreibt eine Kanzlei Texte, die Mandanten verstehen?
Mit den Fragen der Mandanten als Überschriften und Antworten in Alltagssprache. Paragrafen gehören in den zweiten Satz, nicht in den ersten.
Kanzleisprache und Mandantensprache
| So steht es oft da | So versteht es der Mandant |
|---|---|
| Wir beraten umfassend im Betreuungsrecht. | Ihre Mutter kann ihre Bankgeschäfte nicht mehr selbst regeln? Wir erklären, was jetzt zu tun ist. |
| Vertretung in Unterhaltsangelegenheiten | Wie viel Unterhalt steht Ihren Kindern zu, und wie setzen Sie ihn durch? |
| Erstberatung nach RVG | Was das erste Gespräch kostet und was Sie danach wissen |
Wie bietet eine Kanzlei sichere Kontaktwege an?
Mit einem verschlüsselt übertragenen Kontaktformular, einem klaren Hinweis, welche Informationen besser erst ins persönliche Gespräch gehören, und einer datenschutzkonformen Terminvereinbarung.
Mandanten schreiben oft sehr persönliche Dinge in ein Formular. Bei der Kanzlei Webersberger gehörten datenschutzsichere Kontaktwege deshalb von Anfang an zum Konzept. Was technisch und rechtlich zu beachten ist, steht im Ratgeber Kontaktformular und Datenschutz.
Wie wird eine Kanzlei bei ChatGPT und Google für ihren Schwerpunkt genannt?
Indem die Website den Schwerpunkt eindeutig benennt, Fragen dazu ausführlich und verständlich beantwortet und Ort und Person klar zuordnet. Unklare Rundum-Kanzleien werden selten empfohlen.
Die Kanzlei Webersberger ist dafür ein gutes Beispiel: vorher nur Telefonbuch, heute eine Seite mit klarem Schwerpunkt, die ChatGPT laut Fallstudie für Betreuungsrecht in Fürth nennt. Eine Garantie für solche Nennungen gibt es nicht. Was dahinter steckt, erkläre ich im Ratgeber Von ChatGPT empfohlen werden.
Häufige Fragen
Echte Bewertungen von Plattformen einzubinden, ist grundsätzlich möglich, solange sie sachlich bleiben und nichts über einzelne Mandate verraten. Kläre im Zweifel mit deiner Kammer, was für dich gilt.
Viele Mandanten haben Angst vor unklaren Kosten. Ein Hinweis, wie die Erstberatung abgerechnet wird, nimmt diese Hürde. Die Angaben müssen zum Vergütungsrecht passen.
Wenn neue Mandate nicht nur über Empfehlungen kommen sollen, ja. Selbst Empfohlene googeln vorher. Eine schlichte Seite mit klarem Schwerpunkt reicht oft schon.
Bei der Kanzlei Webersberger kamen die Inhalte über Fragenkataloge, den Entwurf bekam sie zur Abstimmung. So bleibt der eigene Aufwand überschaubar.
Quellen
- § 43b Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO), Werbung, abgerufen am 04.11.2026
- § 7 Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA), abgerufen am 04.11.2026
- § 5 Digitale-Dienste-Gesetz (DDG), Allgemeine Informationspflichten, abgerufen am 04.11.2026
- § 2 Dienstleistungs-Informationspflichten-Verordnung (DL-InfoV), abgerufen am 04.11.2026
- Armin Franz: Fallstudie Kanzlei Webersberger, abgerufen am 04.11.2026