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Quereinsteiger ins Handwerk holen: So sprichst du sie an

Quereinsteiger fürs Handwerk gewinnen: Wer passt, wie die Anzeige klingt, Einarbeitung in 4 Phasen und welche Förderung die Arbeitsagentur zahlt.

Armin FranzAktualisiert am 7 Min. Lesezeit
Armin Franz im weißen Hemd im Gespräch an einem Stehtisch im Freien
Kurz gesagt

Quereinsteiger gewinnst du, wenn du sie in der Anzeige direkt ansprichst, ehrlich sagst, was sie mitbringen müssen, und einen Weg bis zum Gesellenbrief zeigst. Die Arbeitsagentur kann bis zu 50 Prozent Lohnzuschuss in der Einarbeitung zahlen und fördert Weiterbildung in kleinen Betrieben mit bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten.

In diesem Artikel
  1. Wie gewinnst du Quereinsteiger fürs Handwerk?
  2. Welche Quereinsteiger passen ins Handwerk?
  3. Wie sprichst du Quereinsteiger in der Stellenanzeige an?
  4. Wie sieht eine gute Einarbeitung für Quereinsteiger aus?
  5. Welche Förderung gibt es für Quereinsteiger im Handwerk?
  6. Kann ein Quereinsteiger den Gesellenbrief nachholen?
  7. Was solltest du bei Quereinsteigern vermeiden?
  8. Wo findest du Quereinsteiger?
  9. Häufige Fragen

Wie gewinnst du Quereinsteiger fürs Handwerk?

Sprich sie direkt an, sag klar, was sie mitbringen müssen, zeig einen Einarbeitungsplan und nutz die Förderung der Arbeitsagentur für Lohn und Weiterbildung.

Viele Handwerksbetriebe schreiben "abgeschlossene Ausbildung als Geselle" in jede Anzeige und wundern sich, dass keiner kommt. Dabei sitzen genug Leute im Lager, am Fließband oder in der Küche, die lieber etwas mit den Händen bauen würden, das bleibt. Viele trauen sich nur nicht, weil niemand sie fragt.

Laut KOFA standen 2025 rund 210.000 offenen Handwerksstellen etwa 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber (KOFA 7/2026). Ohne neue Leute von außen geht die Rechnung nicht auf.

Welche Quereinsteiger passen ins Handwerk?

Leute mit Erfahrung in verwandten Bereichen: Industrie, Logistik, Lager, Landwirtschaft, Gastronomie, Hausmeisterdienste. Wichtiger als der Lebenslauf sind Zuverlässigkeit, Geschick und Lust aufs Lernen.

Wer typischerweise passt

  • Aus der Industrie: Kennen Maschinen, Schichtbetrieb und Arbeitssicherheit. Oft unzufrieden mit Monotonie.
  • Aus Lager und Logistik: Körperlich fit, gewohnt, früh anzufangen. Lernen Montage und Material schnell.
  • Aus der Gastronomie: Arbeiten unter Druck, sind kundenfreundlich, wollen oft planbare Abende.
  • Studienabbrecher: Technisch interessiert, suchen etwas Greifbares.
  • Ältere mit Erfahrung: Bringen Lebenserfahrung und Ruhe mit, oft wertvoll im Kundenkontakt.

Wie sprichst du Quereinsteiger in der Stellenanzeige an?

Direkt im Titel und in der ersten Zeile: "Auch für Quereinsteiger". Dann sagst du klar, was jemand mitbringen muss und was ihr ihm beibringt.

Vorher und nachher: Anzeige für Quereinsteiger

Vorher und nachher: Anzeige für Quereinsteiger
StattBesser
Monteur (m/w/d) mit abgeschlossener Ausbildung gesuchtMonteur (m/w/d) für Photovoltaik in Neustadt, auch für Quereinsteiger
Erfahrung im Elektrobereich wünschenswertDu hast noch nie im Handwerk gearbeitet? Kein Problem, wir bringen dir alles bei.
Belastbarkeit und FlexibilitätDu arbeitest gern draußen, packst mit an und bist morgens pünktlich.
Leistungsgerechte VergütungAb Tag eins Lohn als Monteurhelfer, nach sechs Monaten mehr, dazu der Weg zum Gesellenbrief.
Beispielsätze. Versprich nur, was du wirklich anbietest, und nenn deine echten Zahlen.

Wichtig ist der ehrliche Weg nach oben. Ein Quereinsteiger will wissen, ob er in drei Jahren noch Helfer ist oder ob er sich etwas aufbaut. Wie die ganze Anzeige aussieht, steht in Stellenanzeige im Handwerk schreiben.

Wie sieht eine gute Einarbeitung für Quereinsteiger aus?

Ein fester Pate, ein Plan für die ersten zwölf Wochen, klare Aufgaben pro Phase und kurze Gespräche. So weiß der Neue, wo er steht.

Einarbeitung in vier Phasen

  1. Woche 1 bis 2: Ankommen

    Fester Pate aus dem Team. Werkzeug, Fahrzeug, Sicherheit, Kunden. Mitlaufen und Fragen stellen.

  2. Woche 3 bis 6: Mitarbeiten

    Einfache Aufgaben selbst erledigen, immer mit Kontrolle. Freitags zehn Minuten Rückblick.

  3. Woche 7 bis 12: Verantwortung

    Kleine Aufträge oder Teilaufgaben allein. Gespräch nach drei Monaten: Wie geht es weiter?

  4. Ab Monat 4: Entwicklung

    Weiterbildung planen, Ziel Gesellenbrief oder Spezialisierung. Förderung prüfen.

Welche Förderung gibt es für Quereinsteiger im Handwerk?

Die Arbeitsagentur zahlt unter Umständen einen Eingliederungszuschuss zum Lohn und fördert Weiterbildungen. Kleine Betriebe bekommen bei Weiterbildung bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten.

Förderung der Arbeitsagentur im Überblick

Förderung der Arbeitsagentur im Überblick
FörderungWas gefördert wirdHöheWichtig
EingliederungszuschussLohnkosten in der Einarbeitungbis 50 % des Lohns, bis 12 MonateAntrag vor Abschluss des Arbeitsvertrags
Eingliederungszuschuss ab 55 JahrenLohnkosten in der Einarbeitungbis 50 %, bis 36 MonateRegel gilt bis 31.12.2028
Weiterbildung Beschäftigter, unter 50 MitarbeiterLehrgangskosten und LohnausfallLehrgang bis 100 %, Lohnzuschuss 75 %Mehr als 120 Stunden, zugelassener Träger
Weiterbildung ohne BerufsabschlussAbschlussbezogene Weiterbildungbis 100 % Lehrgang und LohnzuschussFür Beschäftigte ohne Berufsabschluss
Laut Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 04.11.2026. Kein Rechtsanspruch, die Agentur entscheidet im Einzelfall. Nachbeschäftigungszeit beim Eingliederungszuschuss beachten.

Beim Eingliederungszuschuss gilt: Der Antrag muss gestellt werden, bevor du den Arbeitsvertrag unterschreibst. Danach musst du den neuen Mitarbeiter in der Regel so lange weiterbeschäftigen, wie die Förderung lief, höchstens zwölf Monate (Arbeitsagentur, Eingliederungszuschuss).

Bei der Weiterbildung Beschäftigter sollen Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten die Lehrgangskosten voll erstattet bekommen, dazu 75 Prozent Zuschuss zum Lohn für die Ausfallzeit (Arbeitsagentur, Weiterbildung). Ruf vorher beim Arbeitgeber-Service an, der klärt mit dir, was passt.

Kann ein Quereinsteiger den Gesellenbrief nachholen?

Ja. Wer das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf gearbeitet hat, wird zur Gesellenprüfung zugelassen. Mit Nachweisen über erworbene Fähigkeiten kann diese Zeit auch kürzer ausfallen.

Das regelt § 37 Abs. 2 der Handwerksordnung (§ 37 HwO). Bei einer dreieinhalbjährigen Ausbildung wären das gut fünf Jahre Berufspraxis. Vom Nachweis der Mindestzeit kann ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn Zeugnisse oder andere Belege zeigen, dass jemand die nötige Handlungsfähigkeit hat.

Für dich ist das ein starkes Argument in der Anzeige: Bei uns kannst du deinen Gesellenbrief machen. Frag bei deiner Handwerkskammer nach, welche Vorbereitungskurse es gibt und ob die Arbeitsagentur sie fördert.

Was solltest du bei Quereinsteigern vermeiden?

Zu viel versprechen, zu wenig einarbeiten und zu wenig zahlen. Wer nach drei Monaten merkt, dass er nur Material schleppt, ist schnell wieder weg.

  • Ohne Pate starten lassen: Der Neue steht im Weg und fühlt sich überflüssig.
  • Nur Hilfsarbeiten geben: Wer nichts lernt, sieht keine Zukunft bei dir.
  • Kein Gespräch nach drei Monaten: Dann weißt du nicht, ob er bleibt, bis er kündigt.
  • Förderantrag vergessen: Der Eingliederungszuschuss muss vor Vertragsschluss beantragt werden.

Wo findest du Quereinsteiger?

Über deine Website, die Jobbörse der Arbeitsagentur, Social Media in der Region und Empfehlungen deiner Mitarbeiter. Auch der Arbeitgeber-Service kennt Umsteiger.

Quereinsteiger suchen selten mit dem Wort "Handwerk". Sie suchen nach "Job ohne Ausbildung" oder "Quereinsteiger" plus Ort. Schreib das genau so auf deine Stellenseite. Wie du auf Social Media die Leute erreichst, die gar nicht aktiv suchen, steht in Social Recruiting im Handwerk. Ein Gesamtbild aller Wege gibt Mitarbeiter gewinnen im Handwerk.

Wenn du eine Stellenseite willst, die Quereinsteiger wirklich anspricht: Im Erstgespräch klären wir in rund 15 Minuten, wen du suchst, was deine Website heute dafür tut und welche Schritte sich lohnen.

Häufige Fragen

Armin Franz sitzt lächelnd an einem Holztisch vor einem hellen Sprossenfenster

Armin Franz

Webdesigner für Handwerksbetriebe in Bayern

Ich baue Websites für Handwerksbetriebe und sorge dafür, dass sie bei Google und in KI-Suchen gefunden werden. In diesem Ratgeber schreibe ich auf, was ich aus Kundengesprächen und eigenen Projekten weiß.

Mehr über mich

Quellen

  1. Bundesagentur für Arbeit: Eingliederungszuschuss, abgerufen am 04.11.2026
  2. Bundesagentur für Arbeit: Individuelle Förderung von Beschäftigten, abgerufen am 04.11.2026
  3. § 37 Handwerksordnung: Zulassung zur Gesellenprüfung, abgerufen am 04.11.2026
  4. KOFA-Studie 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk, abgerufen am 04.11.2026
  5. Handwerkskammer für München und Oberbayern: Umfrage Handwerkstrends 2026, abgerufen am 04.11.2026