Quereinsteiger ins Handwerk holen: So sprichst du sie an
Quereinsteiger fürs Handwerk gewinnen: Wer passt, wie die Anzeige klingt, Einarbeitung in 4 Phasen und welche Förderung die Arbeitsagentur zahlt.
Quereinsteiger gewinnst du, wenn du sie in der Anzeige direkt ansprichst, ehrlich sagst, was sie mitbringen müssen, und einen Weg bis zum Gesellenbrief zeigst. Die Arbeitsagentur kann bis zu 50 Prozent Lohnzuschuss in der Einarbeitung zahlen und fördert Weiterbildung in kleinen Betrieben mit bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten.
In diesem Artikel
- Wie gewinnst du Quereinsteiger fürs Handwerk?
- Welche Quereinsteiger passen ins Handwerk?
- Wie sprichst du Quereinsteiger in der Stellenanzeige an?
- Wie sieht eine gute Einarbeitung für Quereinsteiger aus?
- Welche Förderung gibt es für Quereinsteiger im Handwerk?
- Kann ein Quereinsteiger den Gesellenbrief nachholen?
- Was solltest du bei Quereinsteigern vermeiden?
- Wo findest du Quereinsteiger?
- Häufige Fragen
Wie gewinnst du Quereinsteiger fürs Handwerk?
Sprich sie direkt an, sag klar, was sie mitbringen müssen, zeig einen Einarbeitungsplan und nutz die Förderung der Arbeitsagentur für Lohn und Weiterbildung.
Viele Handwerksbetriebe schreiben "abgeschlossene Ausbildung als Geselle" in jede Anzeige und wundern sich, dass keiner kommt. Dabei sitzen genug Leute im Lager, am Fließband oder in der Küche, die lieber etwas mit den Händen bauen würden, das bleibt. Viele trauen sich nur nicht, weil niemand sie fragt.
Laut KOFA standen 2025 rund 210.000 offenen Handwerksstellen etwa 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber (KOFA 7/2026). Ohne neue Leute von außen geht die Rechnung nicht auf.
Welche Quereinsteiger passen ins Handwerk?
Leute mit Erfahrung in verwandten Bereichen: Industrie, Logistik, Lager, Landwirtschaft, Gastronomie, Hausmeisterdienste. Wichtiger als der Lebenslauf sind Zuverlässigkeit, Geschick und Lust aufs Lernen.
Wer typischerweise passt
- Aus der Industrie: Kennen Maschinen, Schichtbetrieb und Arbeitssicherheit. Oft unzufrieden mit Monotonie.
- Aus Lager und Logistik: Körperlich fit, gewohnt, früh anzufangen. Lernen Montage und Material schnell.
- Aus der Gastronomie: Arbeiten unter Druck, sind kundenfreundlich, wollen oft planbare Abende.
- Studienabbrecher: Technisch interessiert, suchen etwas Greifbares.
- Ältere mit Erfahrung: Bringen Lebenserfahrung und Ruhe mit, oft wertvoll im Kundenkontakt.
Wie sprichst du Quereinsteiger in der Stellenanzeige an?
Direkt im Titel und in der ersten Zeile: "Auch für Quereinsteiger". Dann sagst du klar, was jemand mitbringen muss und was ihr ihm beibringt.
Vorher und nachher: Anzeige für Quereinsteiger
| Statt | Besser |
|---|---|
| Monteur (m/w/d) mit abgeschlossener Ausbildung gesucht | Monteur (m/w/d) für Photovoltaik in Neustadt, auch für Quereinsteiger |
| Erfahrung im Elektrobereich wünschenswert | Du hast noch nie im Handwerk gearbeitet? Kein Problem, wir bringen dir alles bei. |
| Belastbarkeit und Flexibilität | Du arbeitest gern draußen, packst mit an und bist morgens pünktlich. |
| Leistungsgerechte Vergütung | Ab Tag eins Lohn als Monteurhelfer, nach sechs Monaten mehr, dazu der Weg zum Gesellenbrief. |
Wichtig ist der ehrliche Weg nach oben. Ein Quereinsteiger will wissen, ob er in drei Jahren noch Helfer ist oder ob er sich etwas aufbaut. Wie die ganze Anzeige aussieht, steht in Stellenanzeige im Handwerk schreiben.
Wie sieht eine gute Einarbeitung für Quereinsteiger aus?
Ein fester Pate, ein Plan für die ersten zwölf Wochen, klare Aufgaben pro Phase und kurze Gespräche. So weiß der Neue, wo er steht.
Einarbeitung in vier Phasen
- Woche 1 bis 2: Ankommen
Fester Pate aus dem Team. Werkzeug, Fahrzeug, Sicherheit, Kunden. Mitlaufen und Fragen stellen.
- Woche 3 bis 6: Mitarbeiten
Einfache Aufgaben selbst erledigen, immer mit Kontrolle. Freitags zehn Minuten Rückblick.
- Woche 7 bis 12: Verantwortung
Kleine Aufträge oder Teilaufgaben allein. Gespräch nach drei Monaten: Wie geht es weiter?
- Ab Monat 4: Entwicklung
Weiterbildung planen, Ziel Gesellenbrief oder Spezialisierung. Förderung prüfen.
Welche Förderung gibt es für Quereinsteiger im Handwerk?
Die Arbeitsagentur zahlt unter Umständen einen Eingliederungszuschuss zum Lohn und fördert Weiterbildungen. Kleine Betriebe bekommen bei Weiterbildung bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten.
Förderung der Arbeitsagentur im Überblick
| Förderung | Was gefördert wird | Höhe | Wichtig |
|---|---|---|---|
| Eingliederungszuschuss | Lohnkosten in der Einarbeitung | bis 50 % des Lohns, bis 12 Monate | Antrag vor Abschluss des Arbeitsvertrags |
| Eingliederungszuschuss ab 55 Jahren | Lohnkosten in der Einarbeitung | bis 50 %, bis 36 Monate | Regel gilt bis 31.12.2028 |
| Weiterbildung Beschäftigter, unter 50 Mitarbeiter | Lehrgangskosten und Lohnausfall | Lehrgang bis 100 %, Lohnzuschuss 75 % | Mehr als 120 Stunden, zugelassener Träger |
| Weiterbildung ohne Berufsabschluss | Abschlussbezogene Weiterbildung | bis 100 % Lehrgang und Lohnzuschuss | Für Beschäftigte ohne Berufsabschluss |
Beim Eingliederungszuschuss gilt: Der Antrag muss gestellt werden, bevor du den Arbeitsvertrag unterschreibst. Danach musst du den neuen Mitarbeiter in der Regel so lange weiterbeschäftigen, wie die Förderung lief, höchstens zwölf Monate (Arbeitsagentur, Eingliederungszuschuss).
Bei der Weiterbildung Beschäftigter sollen Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten die Lehrgangskosten voll erstattet bekommen, dazu 75 Prozent Zuschuss zum Lohn für die Ausfallzeit (Arbeitsagentur, Weiterbildung). Ruf vorher beim Arbeitgeber-Service an, der klärt mit dir, was passt.
Kann ein Quereinsteiger den Gesellenbrief nachholen?
Ja. Wer das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im Beruf gearbeitet hat, wird zur Gesellenprüfung zugelassen. Mit Nachweisen über erworbene Fähigkeiten kann diese Zeit auch kürzer ausfallen.
Das regelt § 37 Abs. 2 der Handwerksordnung (§ 37 HwO). Bei einer dreieinhalbjährigen Ausbildung wären das gut fünf Jahre Berufspraxis. Vom Nachweis der Mindestzeit kann ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn Zeugnisse oder andere Belege zeigen, dass jemand die nötige Handlungsfähigkeit hat.
Für dich ist das ein starkes Argument in der Anzeige: Bei uns kannst du deinen Gesellenbrief machen. Frag bei deiner Handwerkskammer nach, welche Vorbereitungskurse es gibt und ob die Arbeitsagentur sie fördert.
Was solltest du bei Quereinsteigern vermeiden?
Zu viel versprechen, zu wenig einarbeiten und zu wenig zahlen. Wer nach drei Monaten merkt, dass er nur Material schleppt, ist schnell wieder weg.
- Ohne Pate starten lassen: Der Neue steht im Weg und fühlt sich überflüssig.
- Nur Hilfsarbeiten geben: Wer nichts lernt, sieht keine Zukunft bei dir.
- Kein Gespräch nach drei Monaten: Dann weißt du nicht, ob er bleibt, bis er kündigt.
- Förderantrag vergessen: Der Eingliederungszuschuss muss vor Vertragsschluss beantragt werden.
Wo findest du Quereinsteiger?
Über deine Website, die Jobbörse der Arbeitsagentur, Social Media in der Region und Empfehlungen deiner Mitarbeiter. Auch der Arbeitgeber-Service kennt Umsteiger.
Quereinsteiger suchen selten mit dem Wort "Handwerk". Sie suchen nach "Job ohne Ausbildung" oder "Quereinsteiger" plus Ort. Schreib das genau so auf deine Stellenseite. Wie du auf Social Media die Leute erreichst, die gar nicht aktiv suchen, steht in Social Recruiting im Handwerk. Ein Gesamtbild aller Wege gibt Mitarbeiter gewinnen im Handwerk.
Wenn du eine Stellenseite willst, die Quereinsteiger wirklich anspricht: Im Erstgespräch klären wir in rund 15 Minuten, wen du suchst, was deine Website heute dafür tut und welche Schritte sich lohnen.
Häufige Fragen
Das hängt von Beruf, Region und Tarif ab. Üblich ist ein Einstieg auf Helferniveau mit klaren Stufen nach Probezeit und Weiterbildung. Schreib diese Stufen mit Zahlen in die Anzeige, dann sieht der Bewerber seinen Weg nach oben.
Im Handwerk oft ja, weil Baustellen wechseln. Wenn du es nicht zwingend brauchst, schreib es nicht als Pflicht in die Anzeige. Manche Betriebe unterstützen beim Führerschein, das kann ein echtes Argument für Jüngere sein.
Ja. Quereinsteiger sind normale Arbeitnehmer und bekommen mindestens den gesetzlichen Mindestlohn oder einen höheren Branchenmindestlohn, falls einer für dein Gewerk gilt. Frag im Zweifel bei deiner Innung nach.
Ja, er ist sogar besonders wichtig. Beide Seiten sehen, ob die Arbeit passt. Kläre vorher, ob der Tag bezahlt wird und wie die Versicherung geregelt ist, und gib dem Bewerber eine echte Aufgabe statt nur Zuschauen.
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit: Eingliederungszuschuss, abgerufen am 04.11.2026
- Bundesagentur für Arbeit: Individuelle Förderung von Beschäftigten, abgerufen am 04.11.2026
- § 37 Handwerksordnung: Zulassung zur Gesellenprüfung, abgerufen am 04.11.2026
- KOFA-Studie 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk, abgerufen am 04.11.2026
- Handwerkskammer für München und Oberbayern: Umfrage Handwerkstrends 2026, abgerufen am 04.11.2026