Mitarbeiter gewinnen im Handwerk: Was wirklich wirkt
Mitarbeiter gewinnen im Handwerk: Fachkräftelage laut KOFA, die Wege, über die Stellen wirklich besetzt werden, und ein 30-Tage-Plan für deinen Betrieb.
Mitarbeiter gewinnst du im Handwerk am ehesten über Empfehlungen aus dem eigenen Team und eine ehrliche Stellenseite mit Gehalt. Laut IAB sind persönliche Kontakte der stärkste Einzelweg, die eigene Website wird bei 70 Prozent der Einstellungen genutzt. Dazu kommt Tempo: Wer innerhalb eines Tages antwortet, gewinnt.
In diesem Artikel
- Wie gewinnst du als Handwerksbetrieb neue Mitarbeiter?
- Wie groß ist der Fachkräftemangel im Handwerk wirklich?
- Über welche Wege werden Stellen tatsächlich besetzt?
- Was wollen Fachkräfte von einem Arbeitgeber?
- Warum ist Geschwindigkeit bei Bewerbungen so wichtig?
- Welche Bewerbergruppen übersehen viele Handwerksbetriebe?
- Brauchst du für Mitarbeitergewinnung eine Agentur?
- Häufige Fragen
Wie gewinnst du als Handwerksbetrieb neue Mitarbeiter?
Mit einer ehrlichen Stellenseite samt Gehalt, Empfehlungen aus dem Team, schneller Antwort auf jede Bewerbung und Blick auf Leute, die du bisher übersehen hast.
Wenn du seit Monaten eine Stelle offen hast, Aufträge ablehnst und auf die Anzeige in der Zeitung kein einziger Anruf kam, bist du nicht allein. Aber es liegt auch nicht nur am Markt. Die Betriebe, die trotzdem Leute finden, sind sichtbar, ehrlich und schnell.
Hier steht, was die Zahlen sagen, welche Wege wirklich zu Einstellungen führen und was du in den nächsten 30 Tagen konkret tun kannst.
Wie groß ist der Fachkräftemangel im Handwerk wirklich?
Groß. Laut KOFA fehlten 2025 im Handwerk knapp 100.000 Fachkräfte. Fast jede zweite offene Stelle blieb rechnerisch unbesetzt, in der Bauelektrik noch mehr.
Die Zahlen stammen aus der KOFA-Studie vom Juni 2026, herausgegeben vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft. Rund 210.000 offenen Handwerksstellen standen etwa 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber. 59 von 115 Handwerksberufen hatten Engpässe, 35 davon seit mindestens zehn Jahren (KOFA 7/2026).
Wie sich das im Betrieb anfühlt, zeigt eine Umfrage der Handwerkskammer für München und Oberbayern vom Dezember 2025: 62 Prozent der Betriebe reagieren auf Personalmangel, indem sie Aufträge ablehnen. 21 Prozent denken langfristig sogar über eine Schließung nach (HWK München).
Über welche Wege werden Stellen tatsächlich besetzt?
Am häufigsten über Mitarbeiter und persönliche Kontakte, danach über Jobbörsen und die eigene Website. Online-Kanäle entschieden 2025 gut die Hälfte aller Einstellungen.
Suchwege bei Neueinstellungen 2025
| Suchweg | Bei so vielen Einstellungen genutzt | Bei so vielen entscheidend |
|---|---|---|
| Eigene Mitarbeiter und persönliche Kontakte | 48 % | 27 % |
| Internet-Jobbörsen (ohne Arbeitsagentur) | 57 % | 21 % |
| Eigene Website | 70 % | 20 % |
| Online-Kanäle zusammen | 82 % | 52 % |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Empfehlungen sind der stärkste Einzelweg. Wie du daraus ein System machst, steht in Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Zweitens: Die eigene Website wird bei 70 Prozent der Einstellungen genutzt. Selbst wer über eine Empfehlung kommt, schaut sich vorher deine Seite an. Ist die veraltet, kippt die Empfehlung.
Was wollen Fachkräfte von einem Arbeitgeber?
Vor allem Sicherheit, ein gutes Arbeitsklima, planbare Freizeit und ein faires Gehalt. Obstkorb und Tischkicker stehen auf keiner Liste weit oben.
In der Randstad Employer Brand Research 2026 mit über 4.300 Befragten in Deutschland lagen vorn: Jobsicherheit mit 58 Prozent, angenehmes Arbeitsklima mit 54 Prozent, Work-Life-Balance mit 52 Prozent und Gehalt und Sozialleistungen mit 50 Prozent (Randstad, Juni 2026).
Die Betriebe in Oberbayern setzen passend dazu am häufigsten auf flexiblere Arbeitszeitmodelle (47 Prozent der Nennungen) und finanzielle Anreize (45 Prozent). Ein Handwerksbetrieb hat hier echte Trümpfe: Jobsicherheit, ein Chef, den man kennt, und Arbeit, die man abends sieht. Du musst sie nur zeigen. Welche Extras steuerlich clever sind, steht in Benefits im Handwerk.
Warum ist Geschwindigkeit bei Bewerbungen so wichtig?
Weil gute Leute nicht warten. Wer sich bewirbt, hat oft noch andere Betriebe im Blick. Wer zuerst anruft, führt das erste Gespräch.
In einer Trendence-Befragung von über 1.800 Schülern fanden 45 Prozent mehr als eine Woche bis zur Rückmeldung zu lang. 29 Prozent hatten schon einmal eine Bewerbung abgebrochen, am häufigsten wegen später Antwort (Personalwirtschaft). Bei erfahrenen Gesellen ist die Geduld nicht größer.
Die Lösung ist simpel: Jede Bewerbung muss sofort auf deinem Handy landen. Das gleiche Prinzip nutzt ein Fahrzeuglackierer aus der Oberpfalz für Kundentermine:
Bei Alpha Lackierungen geht es um Termine, nicht um Bewerbungen. Die Technik dahinter ist aber dieselbe: Formular ausgefüllt, Nachricht aufs Handy, Rückruf am selben Tag. Mehr dazu in Bewerbungen schnell beantworten.
Welche Bewerbergruppen übersehen viele Handwerksbetriebe?
Quereinsteiger, ältere Fachkräfte und Rentner, Frauen, Fachkräfte aus dem Ausland und Schüler über das Praktikum. Wer nur den fertigen Gesellen sucht, konkurriert mit allen anderen.
- Quereinsteiger: Leute aus Industrie, Logistik oder Gastronomie, die etwas mit den Händen machen wollen. Die Arbeitsagentur fördert Einarbeitung und Weiterbildung. Mehr in Quereinsteiger ins Handwerk holen.
- Ältere und Rentner: Seit Januar 2026 bleiben mit der Aktivrente bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat steuerfrei, wenn jemand die Regelaltersgrenze erreicht hat. 31 Prozent der oberbayerischen Betriebe wollen Ältere länger halten.
- Frauen: Die KOFA-Studie nennt Frauen ausdrücklich als Zielgruppe, die Betriebe neu erschließen können. Das beginnt bei Fotos und Formulierungen in der Anzeige.
- Fachkräfte aus dem Ausland: Aufwendiger, aber planbar. Was du wissen musst, steht in Fachkräfte aus dem Ausland.
- Schüler: Über ein gutes Praktikum. 41 Prozent der Betriebe in Oberbayern wollen mehr selbst ausbilden.
Dein Plan für die nächsten 30 Tage
- Woche 1: Ehrliche Stellenseite
Eine Seite pro Stelle mit Gehaltsspanne, Arbeitszeit, echten Fotos und Kurzbewerbung. Anleitung in Stellenanzeige im Handwerk schreiben.
- Woche 2: Sichtbar werden
Stelle in der kostenfreien Jobbörse der Arbeitsagentur eintragen, Google for Jobs einrichten, Beitrag im Google-Unternehmensprofil.
- Woche 3: Team aktivieren
Empfehlungsprämie festlegen, Link zur Stelle an alle Mitarbeiter schicken, im WhatsApp-Status teilen lassen.
- Woche 4: Schnell werden
Bewerbungen landen aufs Handy, Antwort innerhalb von 24 Stunden, Probetag statt langer Gesprächsrunden.
Brauchst du für Mitarbeitergewinnung eine Agentur?
Meist nicht. Die Grundlagen schaffst du selbst: ehrliche Stellenseite, Empfehlungen, schnelle Antwort. Hilfe lohnt sich bei Website, Fotos und Texten, die dauerhaft arbeiten.
Recruiting-Agenturen versprechen oft eine bestimmte Zahl Bewerber in wenigen Wochen. Frag immer, wohin die Bewerber am Ende geführt werden und wem die Seite danach gehört. Läuft die Kampagne aus, sollte deine Karriereseite bleiben.
Wenn du wissen willst, was deine Website dabei heute leistet: Im Erstgespräch schauen wir in rund 15 Minuten, wen du suchst, was deine Seite dafür tut und welche Schritte sich wirklich lohnen.
Häufige Fragen
Für manche Regionen und ältere Zielgruppen kann sie funktionieren. Wichtig ist, wohin sie führt. Druck eine kurze Adresse oder einen QR-Code zur Stellenseite dazu, damit Interessierte sofort mehr sehen und sich am Handy bewerben können.
Das hängt von Beruf, Region und Tarif ab. Schau, was Betriebe in deiner Gegend in ihren Anzeigen nennen, und frag deine Innung nach Tarifwerten. Ein ehrliches Gehalt mit klarer Zahl schlägt ein höheres Gehalt, das niemand kennt.
Das ist sehr unterschiedlich. In Engpassberufen wie Bauelektrik oder SHK bleiben laut KOFA viele Stellen rechnerisch unbesetzt. Je schneller du antwortest und je klarer deine Stellenseite ist, desto kürzer wird dein Anteil an dieser Zeit.
Direkt ansprechen ist erlaubt, solange du keine unlauteren Mittel nutzt. Besser wirkt aber, wenn wechselwillige Leute dich von selbst finden. Eine gute Karriereseite und ein Team, das gern von seinem Betrieb erzählt, erledigen das leiser.
Quellen
- KOFA-Studie 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk, abgerufen am 04.11.2026
- Handwerkskammer für München und Oberbayern: Umfrage Handwerkstrends 2026, abgerufen am 04.11.2026
- IAB-Forum: Online-Medien sind bei der Personalsuche auf dem Vormarsch (8.6.2026), abgerufen am 04.11.2026
- Randstad Employer Brand Research 2026, abgerufen am 04.11.2026
- Personalwirtschaft: Azubi-Recruiting, wie langsam ist zu langsam, abgerufen am 04.11.2026
- Stiftung Warentest: Aktivrente, bis zu 2.000 Euro steuerfrei, abgerufen am 04.11.2026