Stellenanzeige im Handwerk schreiben: Vorlage und Beispiele
Stellenanzeige im Handwerk schreiben: Vorher-Nachher-Beispiel, Vorlage in 7 Bausteinen, Gehalt, AGG und Formulierungen, die du besser vermeidest.
Eine gute Stellenanzeige im Handwerk nennt Beruf, (m/w/d) und Ort in der Überschrift, das Gehalt als Zahl oder Spanne und beschreibt den echten Arbeitstag statt Floskeln. Sie verlangt höchstens drei Pflicht-Anforderungen, verzichtet aufs Anschreiben und nennt einen Ansprechpartner mit Handynummer. Wörter wie jung lässt du weg.
In diesem Artikel
- Wie schreibst du eine Stellenanzeige im Handwerk, die Bewerber bringt?
- Wie sieht eine schlechte und eine gute Stellenanzeige im Vergleich aus?
- Welche Überschrift funktioniert bei einer Stellenanzeige?
- Muss das Gehalt in die Stellenanzeige?
- Was verlangt das AGG von einer Stellenanzeige?
- Welche Formulierungen solltest du in Stellenanzeigen vermeiden?
- Wie lang darf eine Stellenanzeige im Handwerk sein?
- Wo solltest du deine Stellenanzeige veröffentlichen?
- Häufige Fragen
Wie schreibst du eine Stellenanzeige im Handwerk, die Bewerber bringt?
Beruf und Ort in die Überschrift, Gehalt als Zahl, konkrete Aufgaben statt Floskeln, höchstens drei echte Anforderungen und eine Bewerbung ohne Anschreiben mit direktem Ansprechpartner.
Die meisten Stellenanzeigen im Handwerk klingen gleich: expandierendes Unternehmen, leistungsgerechte Vergütung, Teamfähigkeit, Belastbarkeit. Ein Geselle liest das und weiß danach genau so wenig wie vorher. Er wischt weiter zum nächsten Betrieb.
Eine gute Anzeige beantwortet die Fragen, die er sich wirklich stellt: Was mache ich den ganzen Tag, was verdiene ich, wann ist Feierabend, und wer ist mein Chef? Unten findest du ein komplettes Vorher-Nachher-Beispiel und eine Vorlage zum Ausfüllen.
Wie sieht eine schlechte und eine gute Stellenanzeige im Vergleich aus?
Die schlechte Anzeige beschreibt den Betrieb und fordert viel. Die gute beschreibt den Arbeitstag, nennt Zahlen und macht die Bewerbung leicht. Hier beide Versionen nebeneinander.
Vorher: So sehen viele Anzeigen aus
"Wir sind ein expandierendes, mittelständisches Unternehmen der Elektrobranche mit langjähriger Tradition. Zur Verstärkung unseres jungen, dynamischen Teams suchen wir ab sofort einen engagierten Elektroniker. Ihr Profil: abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung, Führerschein, Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität, selbstständige Arbeitsweise. Wir bieten: leistungsgerechte Vergütung, abwechslungsreiche Tätigkeit, gutes Betriebsklima. Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen an bewerbung@..."
Drei Probleme auf einen Blick: Es fehlen Ort, Gehalt und Arbeitszeit. "Elektroniker" ohne (m/w/d) und "junges, dynamisches Team" sind rechtlich riskant. Und die Bewerbung verlangt Unterlagen, die am Handy niemand zusammenstellt.
Nachher: Dieselbe Stelle, ehrlich beschrieben
Elektroniker (m/w/d) für Gebäudetechnik in Weiden, ab 3.300 € brutto
"Du verkabelst Einfamilienhäuser und kleine Gewerbebauten im Umkreis von 30 km, baust Zählerschränke und richtest Wallboxen ein. Abends bist du zu Hause, Montage über Nacht gibt es bei uns nicht."
"Das bekommst du: 3.300 bis 3.800 € brutto je nach Erfahrung, 38 Stunden, Freitag ab 13 Uhr frei, eigener Transporter, Werkzeug von uns, Meisterkurs bezahlen wir. Das brauchst du: Gesellenbrief als Elektroniker oder vergleichbar, Führerschein B. Bewerbung: Name und Handynummer ins Formular oder per WhatsApp. Ich rufe dich innerhalb von zwei Werktagen an. Max Muster, Inhaber, 0170 ..."
Gehalt, Ort und Leistungen oben sind ausgedacht, damit du das Muster siehst. Setz deine echten Zahlen ein. Versprich nichts, was du nicht hältst, sonst bist du den neuen Kollegen nach drei Monaten wieder los.
Welche Überschrift funktioniert bei einer Stellenanzeige?
Die Berufsbezeichnung, die Bewerber bei Google eintippen, plus (m/w/d) und Ort. Ein Vorteil wie Gehalt oder Arbeitszeit passt dahinter, wenn Platz ist.
"Anlagenmechaniker SHK (m/w/d) in Bayreuth" wird gefunden. "Haustechnik-Held gesucht" nicht, weil niemand danach sucht. Auch Google for Jobs liest den Titel und ordnet die Stelle danach ein. Kreative Titel sind etwas für die Social-Media-Anzeige, nicht für die Stellenbeschreibung selbst.
Wenn du eine Wahl hast, nimm die Bezeichnung aus der Ausbildungsordnung und hänge die Alltagsbezeichnung an: "Kraftfahrzeugmechatroniker (m/w/d), Kfz-Mechaniker, in Amberg".
Muss das Gehalt in die Stellenanzeige?
Heute ist es in Deutschland noch keine Pflicht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt aber Gehaltsangaben vor Vertragsschluss, und Anzeigen mit Zahl wirken auf Bewerber deutlich ehrlicher.
Die EU-Richtlinie 2023/970 hätte bis 7. Juni 2026 umgesetzt sein müssen. Stand Ende Oktober 2026 gibt es in Deutschland noch keinen Gesetzentwurf (Gleichstellungsakademie, 29.10.2026). Laut Richtlinie gilt die Info-Pflicht zum Einstiegsgehalt unabhängig von der Betriebsgröße. Wie Deutschland das für kleine Betriebe regelt, ist offen.
Unabhängig vom Gesetz: Im Karriere-Barometer 2026 nannten 39 Prozent der befragten jungen Leute fehlende Gehaltstransparenz als Grund, eine Bewerbung abzubrechen. Eine Spanne von bis reicht völlig. Damit hast du Spielraum für Erfahrung und Verhandlung.
Was verlangt das AGG von einer Stellenanzeige?
Die Anzeige darf niemanden wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität benachteiligen. Darum gehört (m/w/d) dazu, und jung gehört raus.
§ 11 AGG sagt kurz: Ein Arbeitsplatz darf nicht diskriminierend ausgeschrieben werden (§ 11 AGG). Das Bundesarbeitsgericht hat 2016 entschieden, dass schon die Formulierung "junges, dynamisches Team" an das Alter anknüpft und eine Benachteiligung vermuten lässt (BAG, Urteil vom 11.08.2016, 8 AZR 406/14). Spätere Gerichte haben einzelne Formulierungen wie "junges Unternehmen" anders bewertet. Verlassen solltest du dich darauf nicht.
Das Risiko ist echt: Wer abgelehnt wird und eine Benachteiligung belegen kann, kann eine Entschädigung verlangen, nach § 15 AGG bis zu drei Monatsgehälter, wenn er auch ohne Benachteiligung nicht eingestellt worden wäre.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick, Stand 04.11.2026. Er ersetzt keine Beratung durch eine Anwältin oder einen Anwalt. Im Zweifel frag deine Handwerkskammer oder einen Fachanwalt.
Welche Formulierungen solltest du in Stellenanzeigen vermeiden?
Alles, was auf Alter, Geschlecht oder Herkunft zielt, und alle leeren Floskeln. Beides kostet dich Bewerber, das eine zusätzlich vielleicht eine Entschädigung.
- "Junges Team", "Berufseinsteiger bis 30": Knüpft ans Alter an. Besser: "Team aus Gesellen und Meistern zwischen Ausbildung und Rente" oder einfach weglassen.
- "Muttersprache Deutsch": Knüpft an die Herkunft an. Besser: "Du verständigst dich sicher auf Deutsch mit Kunden."
- Nur "Elektriker" oder "Monteur" ohne (m/w/d): Besser die Berufsbezeichnung mit (m/w/d) oder eine neutrale Form.
- "Körperlich fit und belastbar": Kann Menschen mit Behinderung abschrecken. Besser konkret: "Du arbeitest viel auf der Leiter und trägst Material bis 25 kg."
- "Leistungsgerechte Vergütung", "attraktive Benefits": Sagt nichts. Nenn Zahlen und konkrete Leistungen.
- "Wir sind ein expandierendes Unternehmen": Interessiert keinen Bewerber. Fang mit seinem Arbeitstag an.
Wie lang darf eine Stellenanzeige im Handwerk sein?
So lang, dass alle wichtigen Fragen beantwortet sind, und so kurz, dass sie auf zwei Handybildschirme passt. Meist sind das 150 bis 300 Wörter.
Länge ist nicht das Problem, Leere ist es. Fünf Sätze über deinen Arbeitstag lesen sich schneller als drei Zeilen Floskeln, weil der Leser sich wiederfindet. Kurze Absätze, Listen für Leistungen und Anforderungen, und das Gehalt nie ganz unten verstecken.
Vorlage: Deine Stellenanzeige in sieben Bausteinen
- Titel
Beruf (m/w/d) in Ort, gern mit Gehalt oder Arbeitszeit: "Maler und Lackierer (m/w/d) in Kulmbach, 4-Tage-Woche".
- Dein Arbeitstag
Drei bis fünf Sätze: Welche Aufträge, welche Kunden, welcher Umkreis, wann Feierabend.
- Das bekommst du
Gehaltsspanne brutto, Stunden pro Woche, Urlaubstage, Fahrzeug, Werkzeug, Weiterbildung. Nur was stimmt.
- Das brauchst du
Höchstens drei Punkte, die wirklich Pflicht sind. Alles andere als "schön, wenn" kennzeichnen.
- Wer wir sind
Zwei Sätze: wie viele Leute, seit wann, was euch ausmacht. Ein echtes Foto vom Team.
- So bewirbst du dich
Kurzformular oder WhatsApp, kein Anschreiben. Sag, wann du dich meldest.
- Ansprechpartner
Name, Foto, Handynummer. Der Chef selbst wirkt im Handwerk stärker als jede Personalabteilung.
Wo solltest du deine Stellenanzeige veröffentlichen?
Zuerst auf deiner Karriereseite, denn dort landen am Ende alle Bewerber. Von dort verteilst du sie in Jobbörse, Google for Jobs und Social Media.
Die Anzeige auf der eigenen Website ist das Original. Wie die Seite drumherum aussehen sollte, steht in Karriereseite für Handwerksbetriebe. Welche Portale Geld wert sind, vergleiche ich in Jobportale für Handwerker, und wie deine Stelle kostenlos in der Google-Suche auftaucht, in Google for Jobs.
Wenn du willst, schauen wir uns deine aktuelle Anzeige und Karriereseite gemeinsam an. Im Erstgespräch klären wir in rund 15 Minuten, wen du suchst, was deine Website heute dafür tut und welche Schritte sich lohnen.
Häufige Fragen
Eine bestimmte Schreibweise schreibt das Gesetz nicht vor. Die Anzeige muss aber alle Geschlechter ansprechen. (m/w/d) hinter der Berufsbezeichnung ist der übliche, sichere Weg. Eine rein männliche Berufsbezeichnung ohne Zusatz ist riskant.
Ja. Im Handwerk ist das Du üblich und wirkt nahbar. Das LAG Köln hat das Du in einer Anzeige 2021 nicht als Hinweis auf Altersdiskriminierung gewertet (10 Sa 1264/20). Bleib nur einheitlich und duz nicht in der Anzeige und siez im Formular.
Nenn eine Spanne, zum Beispiel 3.200 bis 3.700 € brutto im Monat je nach Erfahrung. Das lässt dir Spielraum und zeigt trotzdem, wo du stehst. Ohne jede Zahl springen viele Bewerber gleich ab.
Als Entwurf ja, als fertige Anzeige nein. KI schreibt genau die Floskeln, die alle schreiben. Gib ihr deine echten Fakten zu Aufgaben, Gehalt und Arbeitszeit und streich danach jeden Satz, der auch bei der Konkurrenz stehen könnte.
Prüf sie alle vier Wochen. Stimmen Gehalt und Leistungen noch? Ist die Stelle noch offen? Eine besetzte Stelle nimmst du sofort raus, auch aus Google for Jobs. Alte Anzeigen wirken, als würde bei dir niemand bleiben.
Quellen
- § 11 AGG: Ausschreibung, abgerufen am 04.11.2026
- § 15 AGG: Entschädigung und Schadensersatz, abgerufen am 04.11.2026
- Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 11.08.2016, 8 AZR 406/14, abgerufen am 04.11.2026
- Haufe: "Junges Team", Altersdiskriminierung in der Stellenanzeige? (6.10.2021), abgerufen am 04.11.2026
- Gleichstellungsakademie: Entgelttransparenzgesetz, aktueller Stand (29.10.2026), abgerufen am 04.11.2026
- Personalwirtschaft: Karriere-Barometer 2026, abgerufen am 04.11.2026
- Heuking: Duzen in einer Stellenanzeige als Diskriminierung nach dem AGG? (LAG Köln, 10 Sa 1264/20), abgerufen am 05.11.2026